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    Pflegecheck24

    Warum Dekubitus entsteht: Fakten & Vorbeugung aus der Praxis

    7 Min.24.1.2026
    24.1.2026
    Pflegewissen
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    Warum Dekubitus entsteht: Fakten & Vorbeugung aus der Praxis

    7 Min. Lesezeit

    Was ist ein Dekubitus? Diese Frage stellst du dir vielleicht auch.

    Ein Dekubitus ist ein Druckgeschwür – das entsteht, wenn Blutgefässe zusammengedrückt werden. Das Gewebe bekommt dann nicht genug Sauerstoff und Nährstoffe.

    Etwa 95% aller Druckgeschwüre entwickeln sich an fünf typischen Stellen:

    • Kreuzbeinbereich
    • Fersen
    • Sitzbeine
    • Grosser Rollhügel
    • Seitliche Fussknöchel

    Druckgeschwüre lassen sich in vier Schweregrade einteilen. Von leichten Hautrötungen bis hin zu tiefem Gewebeschaden bis zum Knochen.

    Die Hauptursachen sind:

    • Anhaltender Druck
    • Scherkräfte
    • Reibung
    • Oft eine Kombination davon

    Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit haben das höchste Risiko. Immobilität ist der grösste Risikofaktor.

    Wir erklären dir verständlich, was ein Dekubitus ist und wie er entsteht. Du erfährst auch wirksame Massnahmen zur Vorbeugung.

    Mit dem richtigen Wissen kannst du als pflegender Angehöriger viel bewirken. Du kannst das Risiko deutlich senken – ohne Druck und Stress für dich.

    Was ist ein Dekubitus und wie entsteht er?

    Definition einfach erklärt

    Ein Dekubitus ist keine eigenständige Krankheit. Es ist eine schlecht heilende Wunde, die durch anhaltenden Druck entsteht.

    Das European Pressure Ulcer Advisory Panel (EPUAP) – das sind Experten für Druckgeschwüre – definiert es so: Eine lokal begrenzte Schädigung der Haut und des darunterliegenden Gewebes. Meist über knöchernen Vorsprüngen, durch Druck oder Druck kombiniert mit Scherkräften.

    Im Alltag sagt man auch "Wundliegen" oder "Druckgeschwür" dazu.

    Wie Druck und Scherkräfte das Gewebe schädigen

    Drei Faktoren wirken zusammen:

    • Druck (wie stark wird gedrückt?)
    • Dauer (wie lange dauert der Druck an?)
    • Disposition (welche Risikofaktoren hat die Person?)

    Was passiert bei anhaltendem Druck? Die Blutgefässe werden zusammengedrückt. Das Gewebe bekommt nicht genug Sauerstoff und Nährstoffe.

    Kritisch wird es ab 25-35 mmHg Druck. Das ist der normale Kapillardruck – wird er überschritten, entstehen Schäden. Manchmal schon nach 30 Minuten.

    Scherkräfte entstehen beim:

    • Hochziehen im Bett
    • Herunterrutschen
    • Umdrehen

    Dabei verschieben sich die Hautschichten gegeneinander. Die Blutgefässe verdrehen sich und die Versorgung bricht zusammen.

    Auf Zellebene werden wichtige Strukturen wie das Zytoskelett geschädigt. Die Zellmembran funktioniert nicht mehr richtig. Das führt zum Zelltod und schliesslich zu Gewebenekrosen.

    Typische Körperstellen mit hohem Risiko

    Besonders gefährdet sind Stellen, wo Knochen nah unter der Haut liegen. Dort gibt es wenig schützendes Fett- oder Muskelgewebe.

    Je nach Liegeposition sind verschiedene Bereiche betroffen:

    Rückenlage:

    • Hinterkopf
    • Schulterblätter
    • Kreuzbein und Steissbein (ca. 40% aller Fälle)
    • Fersen (ca. 18% aller Druckgeschwüre)

    Seitenlage:

    • Ohr
    • Schultergelenk
    • Grosser Rollhügel
    • Knöchel

    Sitzposition:

    • Sitzbein
    • Kreuzbein
    • Fersen

    Risikofaktoren und erste Warnzeichen

    Verschiedene Faktoren erhöhen das Risiko für einen Dekubitus. Du kannst sie in zwei Gruppen einteilen: primäre und sekundäre Risikofaktoren.

    Was sind die Hauptrisikofaktoren?

    Eingeschränkte Mobilität ist der wichtigste Risikofaktor. Besonders gefährdet sind Personen mit Pflegebedarf, die bettlägerig sind oder im Rollstuhl sitzen.

    Das höchste Risiko besteht bei vollständiger Immobilität – das bedeutet, die Person kann sich gar nicht mehr bewegen. Das passiert zum Beispiel bei:

    • Bewusstlosigkeit
    • Narkose
    • Vollständiger Lähmung

    Aber auch bei eingeschränkter Beweglichkeit steigt das Risiko deutlich. Wenn Spontanbewegungen durch Schmerzen, Brüche oder Sedierung behindert sind, kann der Körper keinen natürlichen Druckausgleich mehr schaffen.

    Das Alter spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Mit den Jahren verändert sich die Hautstruktur – sie wird verletzlicher. Dazu kommen oft Grunderkrankungen, die das Dekubitusrisiko zusätzlich erhöhen.

    Weitere wichtige Faktoren

    Während die Hauptrisikofaktoren die Beweglichkeit betreffen, beeinflussen andere Faktoren vor allem die Widerstandskraft der Haut:

    Hautzustand: Trockene, rissige Haut ist besonders anfällig. Auch Hautkrankheiten oder durch Feuchtigkeit aufgeweichte Haut – das nennt man Mazeration – können schon bei kurzem Druck zu Schäden führen.

    Ernährung: Mangel an wichtigen Nährstoffen schwächt die Haut. Besonders Proteine, Vitamine und Mineralstoffe wie Zink sind wichtig. Für die Wundheilung braucht der Körper vor allem Natrium, Zink, Calcium, Kalium, Phosphor und Chlor.

    Inkontinenz: Urin und Stuhl greifen die Haut kontinuierlich an. Die Feuchtigkeit lässt die oberste Hautschicht aufquellen und macht sie verletzlicher.

    Weitere Risiken sind Flüssigkeitsmangel, starkes Über- oder Untergewicht, Diabetes und Durchblutungsstörungen.

    Woran erkennst du erste Warnzeichen?

    Das wichtigste Frühzeichen ist eine Hautrötung, die auch nach Druckentlastung bestehen bleibt. Diese nicht-wegdrückbare Rötung zeigt bereits eine Gewebeschädigung an – auch wenn sie harmlos aussieht.

    Weitere Symptome können sein:

    • Schmerzen oder erhöhte Berührungsempfindlichkeit
    • Die Hautstelle fühlt sich anders warm oder kalt an
    • Das Gewebe verhärtet sich
    • Juckreiz oder Brennen

    Leider werden diese Zeichen oft übersehen. Besonders bei neurologischen Erkrankungen oder Gefühlsstörungen nehmen Betroffene die Symptome nicht wahr. Deshalb ist regelmässige Hautkontrolle durch pflegende Angehörige so wichtig.

    Dekubitusprophylaxe in der Pflegepraxis

    Wirksame Vorbeugung braucht ein durchdachtes Vorgehen im Alltag. Pflegefachkräfte, Ärzte und du als Angehöriger arbeitet idealerweise als Team zusammen. Die ärztliche Seite trägt dabei die Verantwortung für die entsprechenden Massnahmen.

    Regelmässige Hautkontrolle und Dokumentation

    Die Haut regelmässig zu kontrollieren ist das A und O. Achte besonders auf Stellen über knöchernen Vorsprüngen.

    Bei Rötungen hilft der Fingertest:

    • Wird die rötliche Stelle beim Fingerdruck weiss? Dann ist es nur oberflächlich
    • Bleibt sie rot? Dann liegt schon eine tiefere Schädigung vor

    Wichtig: Dokumentiere deine Beobachtungen genau. Fehlt diese Dokumentation, kann das rechtliche Folgen haben.

    Mobilisation und Bewegungsförderung

    Bewegung ist die beste Vorbeugung – wenn der Gesundheitszustand es erlaubt.

    Gezielte Übungen stärken die Muskeln und halten die Gelenke beweglich. Fördere auch kleinste Eigenbewegungen. Denn Bewegungslosigkeit ist und bleibt der grösste Risikofaktor.

    Druckentlastende Lagerungstechniken

    Regelmässiger Positionswechsel verhindert dauerhaften Druck auf gefährdete Stellen.

    Die 30-Grad-Schräglagerung ist am risikoärmsten. Die alte 90-Grad-Lagerung solltest du vermeiden – sie belastet den Oberschenkelknochen zu stark. Eine gute Alternative ist die 135-Grad-Positionierung.

    Einsatz von Hilfsmitteln wie Wechseldruckmatratzen

    Wechseldruckmatratzen haben Luftkammern, die in einstellbarem Rhythmus befüllt und entleert werden. So werden Hautpartien abwechselnd be- und entlastet.

    Diese Matratzen helfen besonders bei stark bettlägerigen Menschen. Sie ersetzen aber nicht das manuelle Umlagern.

    Vorsicht bei Menschen mit Wahrnehmungsstörungen oder komplizierten Knochenbrüchen.

    Hautpflege mit geeigneten Produkten

    Bei trockener Haut verwendest du am besten Wasser-in-Öl-Präparate.

    Diese Produkte solltest du meiden:

    • Alkoholische Einreibungen
    • Zinkpaste
    • Reine Fettprodukte wie Melkfett und Vaseline

    Sie trocknen die Haut aus oder verstopfen die Poren. Reinige die Haut auch nicht zu oft – das schadet der natürlichen Hautbarriere.

    Flüssigkeits- und Nährstoffversorgung sicherstellen

    Eine ausgewogene Ernährung mit genug Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen ist wichtig.

    Besonders diese Stoffe brauchst du:

    • Natrium
    • Zink
    • Calcium
    • Kalium
    • Phosphor
    • Chlor

    Bei vorhandenen Druckgeschwüren steigt der Energiebedarf deutlich: Bei Wunden unter 50 cm² auf das 1,3- bis 1,5-fache, bei grösseren Wunden sogar auf das 1,5- bis 1,9-fache des normalen Bedarfs.

    Expertenstandard und praktische Umsetzung

    Das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) hat klare Richtlinien entwickelt. Diese gibt es seit 2004, zuletzt aktualisiert 2017.

    Was sagt der DNQP-Standard?

    Der Expertenstandard basiert auf umfassender Fachliteratur aus Deutschland und dem Ausland. Das Ziel: Dekubitus durch professionelle Pflege verhindern.

    Der Standard ist realistisch. Bei manchen Menschen – besonders am Lebensende – ist Vorbeugung nicht immer möglich. Deine Wünsche und die der pflegebedürftigen Person stehen im Mittelpunkt.

    Individuelle Pflegeplanung und Schulung

    Pflegefachkräfte planen gemeinsam mit dir und der pflegebedürftigen Person passende Massnahmen. Sie erklären dir:

    • Warum ein Dekubitusrisiko besteht
    • Welche vorbeugenden Massnahmen helfen

    Wichtig zu wissen: Technische Hilfsmittel sind nur Unterstützung. Eigenbewegung fördern bleibt das Wichtigste.

    Beteiligung von Angehörigen und Pflegekräften

    Als pflegender Angehöriger kannst du Anleitung und Schulung erwarten. Profis sollen dir zeigen:

    • Wie du Eigenbewegungen ermöglichst
    • Wie eine Hautkontrolle funktioniert
    • Wie Druckentlastung geht
    • Wie du Hilfsmittel richtig einsetzt

    Die beste Vorbeugung funktioniert im Team. Wundspezialisten unterstützen als Coaches. Alle arbeiten zusammen – von der Heimleitung bis zur Pflegefachkraft.

    Du bist nicht allein mit dieser Aufgabe.

    Fazit

    Dekubitus-Vorbeugung braucht einen ganzheitlichen Ansatz. Frühzeitiges Erkennen der Risikofaktoren hilft dabei wirklich.

    Die wichtigsten Punkte nochmal kurz:

    • Regelmässige Hautkontrolle ist das A und O • Bewegung fördern, wann immer möglich • Richtige Lagerung und Positionswechsel • Ausgewogene Ernährung und gute Hautpflege

    Immobilität bleibt der grösste Risikofaktor. Deshalb sind Eigenbewegungen und regelmässige Positionswechsel so wichtig.

    Der DNQP-Expertenstandard gibt dir eine gute Orientierung. Aber denk dran: Technische Hilfsmittel wie Wechseldruckmatratzen unterstützen nur. Sie ersetzen niemals die menschliche Zuwendung.

    Als pflegender Angehöriger darfst du dir Hilfe holen. Das ist kein Zeichen von Schwäche – sondern von Verantwortung.

    Fachkräfte können dir zeigen, worauf du achten solltest. Gemeinsam könnt ihr das Wohlbefinden der pflegebedürftigen Person fördern.

    Mit dem richtigen Wissen und guter Zusammenarbeit lässt sich das Dekubitusrisiko deutlich senken. Das ist jeden Aufwand wert.

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